Die Herausforderungen globale Ernährungssicherung und Klimawandel mit Innovationen meistern
Der Klimawandel und seine Folgen forcieren den Druck zur Entwicklung regional adaptierter Anpassungsstrategien. Zu deutlich sind heute bereits die Folgen des Klimawandels spürbar. Die Bedeutung einer nachhaltigen Nutzung von Pflanzen und anderen natürlichen Rohstoffen wird immer größer – für den Klimaschutz und für den sparsamen Umgang mit Ressourcen. Darauf weisen auch die Bioökonomie-Strategien von Deutschland und der EU hin. Diese umfassen auch für die Wertschöpfung bedeutende Nebenprodukte aus der Landwirtschaft wie Stroh und bei der Verarbeitung anfallende Kuppelprodukte wie das Rapsschrot.
Ein gutes Beispiel ist die gesamte Herstellungskette von Biokraftstoffen aus Anbaubiomasse. Sie beginnt bei der Pflanzenzüchtung, geht über die Prüfung neuer Sorten bis hin zum eigentlichen Anbau. Ziel ist es, Rohstoffe so zu erzeugen, dass sie umweltfreundlich und nachhaltig sind.
Gesetzlich vorgegebene Mindestanforderungen an die Einsparung von Treibhausgasen im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen motivieren die landwirtschaftlichen Betriebe, den Anbau möglichst treibhausgasarm zu gestalten – zum Beispiel durch den Einsatz von organischem Dünger – und anfallende Kuppelprodukte sinnvoll zu nutzen. Beim Raps haben diese Nebenprodukte großes Potenzial: Sie können Soja als Eiweißfutter ersetzen und in Zukunft sogar als pflanzliche Eiweißquelle für Lebensmittel genutzt werden.
Angesichts des bestehenden Zeitdrucks ist es auch wichtig, dass neue Züchtungstechnologien klar und fair geregelt werden. Sonst drohen eine fortlaufende Abwanderung von Forschung und Entwicklung in Drittstaaten. Dabei geht es nicht nur um die praktische Anwendung, sondern auch um das Wissen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Dieser ganzheitliche Ansatz sollte auch für Kulturarten gelten, die im globalen Süden angebaut werden und dort wichtig für die Ernährung sind. Die Politik trägt Verantwortung dafür, dass Menschen, die von Hunger bedroht sind, genug zu essen haben. Gleichzeitig löst das aber nicht die Probleme von schlechter oder undemokratischer Regierungsführung. Genau das ist derzeit eine große humanitäre und politische Herausforderung – besonders in einigen Regionen Afrikas.
Der aktuelle Bericht zeigt: Weltweit gibt es grundsätzlich genug Nahrungsmittel, auch wenn Pflanzen für Biokraftstoffe oder für neue Produkte der „grünen Chemie“ genutzt werden. Diese Zeit sollte genutzt werden, um vorhandene Anbauflächen zu sichern und neue Möglichkeiten zu erschließen. Außerdem gilt: Rohstoffe, die zur Biokraftstoffproduktion vorgesehen sind, können jederzeit wieder in die Nahrungsmittelverwendung umgelenkt. Diese „Reservefunktion“ als Alternative einer Lagerhaltung sollte die Politik sachgerecht bewerten und als wichtige Vorsorge anerkennen.
Torsten Krawczyk
Vorsitzender der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V.