Fokus Ukraine

Kapitel 6 des Berichts zur globalen Marktversorgung 2025/2026

6.1.1 Krieg bremst Verarbeitung, forciert aber Export

Die Lage der Landwirtschaft in der Ukraine bleibt infolge des Krieges mit Russland weiterhin angespannt. Hohe Betriebsmittelkosten, eingeschränkte Verfügbarkeit von Diesel und Dünger sowie fehlende Arbeitskräfte erschweren die Produktion erheblich. Gleichzeitig sind die Erzeugerpreise für Getreide und Ölsaaten zurückgegangen, was die Rentabilität vieler Kulturen schmälert. Der Export über den Schwarzmeer-Korridor bleibt risikobehaftet, während alternative Landrouten aufgrund hoher Transportkosten kaum wirtschaftlich sind. Viele kleine und mittelgroße Betriebe haben ihren Betrieb eingestellt. Teilweise liegen Flächen brach oder werden nur schrittweise wieder in die Produktion zurückgeführt.

Für Raps ist trotz der schwierigen Rahmenbedingungen von einer weitgehend stabilen Anbaufläche auszugehen. Die Kultur bleibt für viele Betriebe eine verlässliche Größe, auch weil die Verarbeitungskapazitäten im Land ausgebaut wurden. Damit dürfte vermehrt Rapsöl und Rapsschrot exportiert werden. Bei Sonnenblumen zeigt der Trend klar nach unten. Steigende Produktionskosten, unsichere Vermarktungsaussichten und eine verhaltene Preisentwicklung dämpfen die Anbauplanung. Noch deutlicher fällt der Rückgang bei Sojabohnen aus. Viele Erzeuger haben sich anderen Kulturen zugewandt, da die Rentabilität im Vorjahr gering war und die Vermarktungsaussichten schwach bleiben. Geplante Exportzölle auf Sojabohnen verstärken diese Entwicklung zusätzlich.

Weniger Sonnenblumen und Sojabohnen

6.1.2 Verarbeitung in der Ukraine erholt sich langsam

Der Angriff Russlands prägt die Ölsaatenbranche in der Ukraine weiterhin deutlich. Nach dem starken Einbruch der Verarbeitung im Jahr 2022 hat sich die Lage zwar stabilisiert, dennoch bleiben die Kapazitäten bis heute unzureichend ausgelastet. Hohe Transport- und Energiekosten, eine beschädigte Infrastruktur sowie wiederholte Unterbrechungen der Logistik bremsen die Verarbeitung Schritt für Schritt aus. Vor allem die Sonnenblumenverarbeitung bleibt unter dem Vorkriegsniveau.

Trotzdem bleibt die Ukraine ein wichtiger Anbieter am Weltmarkt. Direkt nach Kriegsbeginn stieg der Export von Rohware kräftig an, weil die Industrie zeitweise nur eingeschränkt verarbeiten konnte. Die hohen Abflüsse reduzierten die zuvor aufgebauten Vorräte deutlich.

Inzwischen hat sich das Verhältnis zwischen Produktion, Verarbeitung und Exporten wieder normalisiert. Die Exporte bewegen sich nahe am langjährigen Niveau, während die Verarbeitung moderat zunimmt, aber weiter hinter den technischen Möglichkeiten bleibt. Die Bestände haben sich nach den Verwerfungen der vergangenen Jahre stabilisiert. Insgesamt richtet die Ukraine ihren Fokus stärker auf die Verarbeitung im Inland, bleibt aber ein bedeutender Lieferant von Ölsaaten und Pflanzenölen an die EU.

Kleinere Ernten, Fokus liegt auf Verarbeitung

6.1.3 Hohe Relevanz bei Rapssaat und Sonnenblumenöl

Die Ukraine bleibt trotz des anhaltenden Krieges ein zentraler Anbieter im internationalen Handel mit Ölsaaten und Pflanzenölen. Besonders Sonnenblumenöl aus der Ukraine behält seine große Bedeutung für den Welthandel. Der Anteil ukrainischer Ware bleibt hoch, trotz geringerer Exportmengen gegenüber dem Vorjahr. Die geminderte Rohstoffbasis führt dazu, dass die Industrie verstärkt auf die Verarbeitung im Inland setzt. Dies äußert sich in steigenden Ausfuhren von Pflanzenölen im Vergleich zum Export von Rohsaaten.

 

Auch bei Raps bleibt die Ukraine neben Australien ein wichtiger Lieferant für die EU. Die Exporte von Sojabohnen dürften dagegen sinken. Dennoch bleibt die Nachfrage europäischer Futter- und Lebensmittelhersteller nach ukrainischem gentechnikfreiem (non-gm) Soja hoch. Die Herkunft Ukraine hat strategische Bedeutung, da sie gentechnikfreie Ware in relevanten Mengen bereitstellen kann.

Wichtiger Exporteur von Ölsaaten und Produkten