3.2 Warum steigt der Bedarf an Ölsaaten?

3.2.1 Fleischkonsum weltweit nach Regionen

Der weltweite Fleischverbrauch hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht und dürfte weiter zunehmen. Der Anstieg ist nicht nur auf die wachsende Weltbevölkerung zurückzuführen, sondern auch auf gestiegene Haushaltseinkommen in Asien (China) und die damit einhergehenden Ernährungsgewohnheiten. Niedrige Verbraucherpreise vor allem für Schweinefleisch erhöhen die Nachfrage zusätzlich.  

Mit dem wachsenden Fleischkonsum steigt auch der Bedarf an Futtermitteln. Neben Getreide werden vor allem Sojabohnen und Raps als Proteinträger in der Fütterung eingesetzt. Zu beachten ist, dass sich Soja und Raps im Schrotanteil (80 % bzw. 58 %) und in der Eiweißqualität deutlich unterscheiden. Im globalen Maßstab wird Sojaschrot überwiegend aus gentechnisch veränderten Sojabohnen produziert. Dagegen werden in der EU ausschließlich gentechnikfreie Ölsaaten wie Raps, Sonnenblumen und Soja angebaut. Die Nachfrage nach Milchprodukten mit dem Label „ohne Gentechnik“ stärkt die Bindung an eine regionale bzw. europäische Ölsaatenproduktion. Dieser Aspekt der „Flächenbindung“ gewinnt durch die zunehmend auf Nachhaltigkeit und Treibhausgasreduktion ausgerichtete Klimaschutzpolitik der EU im Rahmen der „Farm-to-Fork“-Strategie an Bedeutung.

 

Fleischverbrauch wächst bis 2030 weiter

3.2.2 Beimischungsquoten für Biokraftstoff

Weltweit werden Biokraftstoffe vor allem auf Grundlage gesetzlicher Beimischungsvorgaben bzw. Treibhausgas (THG)-Minderungsverpflichtungen gefördert. Die Ziele im Verkehrssektor unterscheiden sich je nach Region: In den USA steht vorrangig der Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Verbesserung der Einkommenssituation bei Farmern im Fokus, bei unterschiedlichen politischen Strategien in den Bundesstaaten. Brasilien verfolgt zudem Klimaschutzziele.  In der EU dominiert der Klimaschutzbeitrag bei gleichzeitiger Förderung der E-Mobilität und des Ausbaus erneuerbarer Energien. Vor allem in Deutschland wird die Umstellung auf den elektrischen Antrieb umfangreich gefördert z. B. mit Steuerbegünstigungen, finanziellen Zuschüssen beim Fahrzeugkauf oder beim Ausbau von Photovoltaik. Biokraftstoffe werden dagegen wie das jeweilige fossile Kraftstoffsubstitut in voller Höhe besteuert (Biodiesel/HVO: 47,07 Cent/l und Bioethanol 65,45 Cent/l) und belasten folglich nicht den Bundeshaushalt.  

In mehreren asiatischen Ländern wie Indonesien und Malaysia sowie auch in Argentinien zielt die Quotenpolitik zusätzlich darauf ab, temporär entstehende Pflanzenöl- oder Rohstoffüberschüsse abzubauen und Preise zu stabilisieren. Solche Motive spiegeln sich in hohen Biodiesel- (z. B. Indonesien B40 mit Ziel B50) und steigenden Ethanolquoten (z. B. Indien E20) wider. Unter den Biokraftstoffen aus Anbaubiomasse hat Ethanol international mit Abstand eine größere Bedeutung als Biodiesel bzw. HVO.

In Deutschland gilt seit 2015 die Treibhausgas-Minderungsquote (THG-Quote). Für 2025 ist eine Einsparungsverpflichtung von 10,5 % festgelegt; bis 2030 wird diese auf 25 % ansteigen. Die gesetzliche Grundlage wird aktuell novelliert, um die geänderte Erneuerbare Energien-Richtlinie (2023/2413 – RED III) in nationales Recht umzusetzen. Das für 2026 erwartete Gesetz sieht eine schrittweise Anhebung der THG-Quote auf mindestens 53 % im Jahr 2040 vor. Mit diesen Festlegungen zur THG-Minderung geht Deutschland international voran.

 

Beimischungsquoten fördern Biokraftstoffeinsatz

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