5.1.1 Preisvergleich Brot, Bioethanol und Weizen
Weizen wird sowohl zur Herstellung von Nahrungsmitteln als auch für die Erzeugung von Bioethanol genutzt. Wiederholt wurde öffentlich kritisiert, dass die Biokraftstoffproduktion das Getreideangebot für Nahrungsmittel verknappt und dadurch verteuert. Die Preisentwicklung für Weizenmischbrot wiederlegt diese Annahme: Die Brotpreise folgen eigenen Marktmechanismen, denn hier wirken weitere preiserhöhende Faktoren wie Lohnniveau, Energiekosten usw. Die Landwirtschaft sieht sich als „Mengenanpasser“ unter Druck gesetzt, denn die Erzeugerpreise für Weizen liegen zeitweise unter den Produktionskosten. Deshalb sind zusätzliche und preisstützende Absatzalternativen zur Einkommenssicherung erforderlich.
Die weltweite Getreideerzeugung steuert 2025/26 auf ein Rekordniveau zu, die Versorgungslage ist komfortabel, und die Nachfrage entwickelt sich unter Berücksichtigung des Biokraftstoffmarktes dennoch verhalten.
Die Preise für Bioethanol haben zuletzt etwas angezogen, liegen aber weiterhin deutlich unter den Höchstständen von Ende 2021. Insgesamt zeigt sich: Die Preisbildung am Brotmarkt wird maßgeblich von Verarbeitung, Energie-, Lohn- und Logistikkosten bestimmt, während die Rohstoffpreise – und damit auch die Bioethanolproduktion – nur einen geringen Einfluss haben.
Preisvergleich Brot, Bioethanol und Weizen

5.1.2 Preisvergleich von Biodiesel und Pflanzenöl
Seit 2023 steht der Biodieselmarkt unter Druck. Der Preisrückgang setzte sich 2024 fort. Diese für die gesamte Warenkette negativen Marktimpulse sind Folgen des Betruges mit UER-Zertifikaten (Anrechnung von THG-Minderungen bei der Erdölförderung) sowie von umfangreichen Importen vermeintlich fortschrittlicher Biokraftstoffe aus China. Zum Schutz der europäischen Biodieselindustrie führte die EU-Kommission Importzölle von 10 bis 35,6 % (je nach Unternehmen) ein. Die durch die rückläufigen Biodieselimporte erwartete Entlastung des Rohstoffmarktes bleib jedoch aus. Auf Rohstoffimporte (Abfallöle) aus China wird kein Zoll erhoben.
Gleichzeitig brachen infolge des Betruges die THG-Quotenpreise zweitweise unter 100 EUR / t CO2 ein. Durch die Betrugsfälle wurden überschüssige THG-Quoten generiert, die weiterhin legal (Vertrauensschutz) gehandelt wurden und werden. Dies zusammen ließ den physischen Absatz von Biodiesel und HVO deutlich schrumpfen.
Dieser Marktdruck und das damit verbundene preiswertere Angebot an Rapsspeiseöl mag aus Verbrauchersicht kurzfristig als Vorteil wahrgenommen worden sein. Zu beachten ist aber auch, dass die landwirtschaftlichen Betriebe bei nicht kostendendeckenden Preisen die Zusammensetzung ihrer Fruchtfolge zu Lasten des Rapsanbaus ändern könnten, was zu einem sinkenden Angebot im Supermarktregal führen könnte. Hier befindet sich die Landwirtschaft in einem grundsätzlichen Dilemma.
Preisvergleich Pflanzenöle und Biodiesel
