3.4.1 Verteilungsproblematik
In vielen Teilen der Welt leiden Menschen trotz einer rechnerisch ausreichenden Versorgung mit Grundnahrungsmitteln an Hunger bzw. Mangelernährung. Hauptursache ist weniger das weltweite Angebot als der ungleiche Zugang zu Nahrungsmitteln sowie die mangelnde Kaufkraft. Konflikte und politische Instabilität sind weiterhin die wichtigsten Treiber akuter Ernährungsunsicherheit. Sie führen zu Flucht und Vertreibung, unterbrechen Produktion und Handel und erhöhen das Risiko lokaler Versorgungskrisen. Klimaextreme und Naturkatastrophen verschärfen diese Lage, ebenso wirtschaftliche Schocks wie Inflation, Währungsabwertungen und hohe Importkosten.
Diese Faktoren bremsen Investitionen, schwächen die landwirtschaftliche Entwicklung und behindern den Aufbau stabiler Institutionen. Wo staatliche Strukturen, Infrastruktur und Marktanbindung fehlen, ist das Risiko von Hunger deutlich höher. Unter besseren Rahmenbedingungen könnte eine nachhaltige Intensivierung standortangepasster Anbausysteme die regionale Versorgung deutlich verbessern.
Als Maß für Kaufkraft dient der internationale Dollar (PPP), der am US-Dollar ausgerichtet ist. Die Spannweite bleibt groß: Während das Pro-Kopf-Einkommen 2024 in der EU-27 bei rund 40.967 US-Dollar lag, erreichen Länder mit hoher Nahrungsproduktion wie Indien nur etwa 2.650 US-$ und Pakistan rund 1.430 US-$. In Staaten mit sehr niedriger Kaufkraft wie Nigeria (1.250 US-$) oder Gambia (890 US-$) reicht das Einkommen häufig trotz vorhandener Agrarproduktion nicht aus, um die notwendige Menge an Nahrungsmitteln zu erwerben. Eine höhere Rohstoffproduktion für Biokraftstoffe vergrößert das weltweite Angebot grundsätzlich, löst aber Verteilungs- und Einkommensengpässe nicht. Entscheidend bleiben politisch verlässliche Rahmenbedingungen, funktionierende Märkte und ausreichende Mittel für Krisenhilfe – eine „Tank-oder-Teller“-Debatte blendet diese Realitäten aus.
Verteilungsproblematik nur eine von vielen Ursachen

3.4.2 Nahrungsmittelverfügbarkeit und Klimawandel
Die Ursachen und Folgen des Klimawandels sind vielfältig und wirken sich regional sehr unterschiedlich auf die landwirtschaftliche Produktion aus. Für die nördlichen Breiten werden bis 2050 z. T, Produktivitätszuwächse erwartet, während in vielen tropischen und subtropischen Regionen mit Rückgängen zu rechnen ist.
Zum Anstieg der Treibhausgasemissionen trägt auch die Umwandlung von Wald- und Naturflächen in Acker- und Plantagenflächen bei. Das Amazonasgebiet sowie tropische Wälder in Asien und Afrika sind bedeutende Kohlenstoffspeicher und wichtig für regionale und globale Wasser- und Niederschlagskreisläufe. Ihr Schutz ist daher Bestandteil internationaler Umweltpolitik und europäischer Regelungen, etwa der EU-Nachhaltigkeitsanforderungen für Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse sowie der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte.
Da die globale Flächenausweitung begrenzt werden muss, muss folglich der Ertrag je Fläche durch technischen Fortschritt, nachhaltige Intensivierung und resiliente Fruchtfolgen gesteigert werden. Dazu gehören auch neue Züchtungstechnologien, um die Entwicklung klimaangepasster Sorten zu beschleunigen. Gleichzeitig ist der Zugang kleiner Betriebe zu innovativen Sorten, Technologien und Beratung zu verbessern, unterstützt durch Aus- und Weiterbildung.
Die Folgen des Klimawandels sind bereits spürbar. In Europa zeigen sich starke regionale Unterschiede: 2025 war der Süden von Hitzewellen und Waldbränden betroffen, während andere Regionen von überwiegend günstigen Vegetationsbedingungen profitierten. Ein ungleicher Zugang zu Märkten, Infrastruktur und Technologien kann die Klimawirkungen zusätzlich verstärken und die Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern vergrößern.
Veränderung der Produktivität durch Klimawandel
